Gedanken des
Senators Helmut Stemke, WGH, anläßlich einer Rede zu
diesem Thema:
Binnenhafen
Ein bedeutender Tag für Husum,
Sie werden heute beschließen, Besitzer eines Hafens zu
werden. Eines Hafens, den der jetzige Besitzer -das Land- offensichtlich nicht
mehr will. Warum will das Land diesen Hafen verschenken?
Warum will die Stadt dies Geschenk annehmen? Welche Vorteile
haben wir?
Wissen Sie, welche Pflichten, welche Kosten, welche Risiken,
welche sichtbaren und unsichtbaren Mängel, welche Unterhaltungskosten, welche
Sanierungskosten, wir übernehmen müssen? Jeder gute Kaufmann, der etwas
erwirbt, hat vorher eine Kosten- Nutzenrechnung aufgemacht. Wo ist die für eine
fundierte Entscheidung erforderliche Wirtschaftlichkeitsberechnung? Sie
müsste als Anlage beigefügt sein. Sie ist es nicht!
Der Binnenhafen hat eine Vorgeschichte:
Das Land will die
Landeshäfen an die Kommunen abgeben, weil sie keine Rendite erbringen.
- 08.10.97: BM Kohl und
Herr Stemke fahren zu einem Gespräch nach
Kiel. Keine Absprachen zur Bereitschaft einer Übernahme.
- 09.09.1998: Große Runde beim Kreis zum Thema
Kommunalisierung der Häfen. (BM aller betroffenen Gemeinden, Landrat, Vertreter
Land) Stößt bei allen Beteiligten auf Ablehnung.
Hauptausschuss am 08.10.1998: HA spricht sich gegen Übernahme des
Binnenhafens aus.
Nun kommt der Offshore-Hafen ins Spiel.
29.01.2003 Finanz und Wirtschaftsausschuss bewertet
Übernahme Binnenhafen in Verbindung mit Offshore-Hafen positiv. Hinweis dazu im
Protokoll zu TOP 2. ... Ablösebeträge ... mit
Infrastrukturmaßnahmen im Außenhafen zu verrechnen ...
Ein Tag später; 30.01.2003: Vereinbarung
Land/Husum/Brunsbüttel über Offshore-Hafen: Planung, Bau, und Betrieb erfolgen
in städtischer Trägerschaft.
Stadt sichert Eigenmittel von 30% und Übernahme
Binnenhafen zu. Von Ablösebeträgen spricht man nicht mehr.
Was hat dieser Binnenhafen mit dem Offshore-Hafen zu tun???
Aus sachlicher Sicht nichts!
Wir lassen uns erpressen! Zu den riesigen Belastung mit
einem Offshore-Hafen kommen nun auch alle Risiken des Binnenhafens hinzu.
Wir –die WGH- wollen diesen Hafen nicht und lehnen die Vorlage ab!
Offshore-Hafen
Die nächsten Punkte dieses TOP befassen sich mit Verträgen
für den dem Offshore-Hafen
In der Vorlage steht, dass der HA dazu einen
Empfehlungsbeschluss getroffen hat. Wir haben diese Empfehlung nicht
unterstützt!
Warum? Seit Woche versuche ich im Hauptausschuss eine
kritische Aussprache oder Diskussion über dies für Husum so bedeutende Projekt
in Gang zu setzen. Bis heute ohne Erfolg. Wir treffen heute Entscheidungen
aufgrund von Informationen von vorgestern. Von Informationen, die wir nur
spärlich oder sehr spät erhalten. Wir haben ein gutes Dutzend kritischer
Fragen, aber von offizieller Seite will sie keiner hören. Wie wurden Sie meine
Damen und Herrn, die nicht dem HA angehörenden, mit Informationen versorgt?“
Reichen sie aus, um heute mit gutem Gewissen zuzustimmen?
Jedes moderne Management arbeitet nach dem Prinzip der
Rückkopplung, des Nachsteuerns. Man muss Veränderungen erkennen, sie bewerten
und ggf. reagieren. ...
Was hat sich inzwischen alles verändert oder muss noch
einmal bewertet werden? Beispiele:
-
Vestas hat die Gondelfertigung von Husum nach DK
verlagert.
-
N E G - MICON wurde von Vestas übernommen,
-
die Anlagen für Butendiek werden von DK
verschifft, nicht von Husum,
-
die Stadt wird den verlustreichen Hafen wohl
doch selbst betreiben müssen, (wovon wollen wir das bezahlen),
-
wie wird die Konkurrenz der anderen Nordseehäfen
bewertet,
-
wie intensiv werden die hiesigen Firmen den
Hafen nutzen,
-
in welchem Umfang ist Repower auf den Hafen
angewiesen, (da eigene Kaianlage)
-
wer will sich wirklich bei uns neu ansiedeln,
-
in welchem Umfang werden Firmen jenseits der
Elbe ihre Produkte durch den Elbtunnel zum Husumer Offshore-Hafen
transportieren, usw.
-
brauchen wir diesen Hafen in dieser
Größenordnung oder gibt es auch Zwischenstufen wie z.B. die Nutzung eines
modernisierten Außenhafens für Service und Wartung?
-
Seit Donnerstag letzter Woche haben wir eine
Wirtschaftlichkeitsberechnung für den Offshore-Hafen. Wie realistisch ist z.B.
die Annahme, dass in jedem Jahr allein 90 Schiffe 270 Rotorblätter von Husum
aus transportieren werden? Warum reden wir nicht darüber?
Ohne eine umfassende öffentliche
Bewertung/Neubewertung des Projektes bzw. der Ausgangslage sind wir als WGH
nicht mehr bereit, mit diesem Zug mitzufahren. Zugegeben, auch wir durchliefen
eine Phase der Euphorie aber inzwischen mehren sich die kritischen Fragen.
Hierauf wollen wir eine Antwort.
Es geht um eine Risikoabwägung, es geht um über zweimal
13 Millionen EURO, es geht um eine Stadt, die bereits jetzt ihre
finanzielle Leistungsfähigkeit nicht mehr nachweisen kann.
Wie schreibt die „Zeit“ vom 6. Mai 2004: Das Meer
ist die Rettung für die Windenergie – oder ihr Untergang.
Wir sind und bleiben positive Begleiter der Windenergie
aber nicht für einen Offshore-Hafen um jeden Preis und nicht zu jedem Risiko!
Auf die Frage, wie beurteilt die WGH die Chancen für den
Offshore-Hafen in seiner jetzigen Dimension antworten wir:
„Die Reißleine ist für uns zum Zerreißen gespannt!“
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